sensitive table

Bei diesem Ansatz betrachte ich das Potenzial von Flüssigkeiten als gestaltgebenden Faktor und spiele mit ihren Eigenschaften. In Farbton, Farbverlauf, Deckkraft, Transmission, Sensibilität und Wandelbarkeit sehe ich noch unausgeschöpfte ästhetische Qualitäten. Ich begann mit der Idee, die Kammern von Stegplatten mit angemischten Farblösungen aus Wasser und Holzbeize zu befüllen. Es folgten ein Raumtrenner mit Farbverlauf und der Versuch, ein Spitzbogenfenster zu schaffen, bei dem sich verschiedene Farbtöne innerhalb einzelner Kammern allmählich mischen und die Erscheinung des Fensters konstant verändern. Aus verschiedenen Gründen nahm ich Abstand von den Stegplatten. Glas schien mir interessanter. Isolierglas bietet von Werk aus einen idealen befüllbaren Raum. Die größeren Flächen von Isolierscheiben eröffnen der Sensibilität des Wassers einen Raum, der im Fall der Stegplatten zunächst noch verschlossen war. Ein Tisch bietet als Möbelstück die größte horizontale Fläche und der Sensibilität einen idealen Raum. Egal ob gegessen, geschrieben, gearbeitet, gequatscht oder auf den Tisch gehauen wird, es entstehen immanente Schwingungen, die durch Wellen im Wasser verbildlicht werden.

 

Da der sensible Tisch für mich ein sehr feinfühliger Entwurf ist, erschien mir das Isolierglas an dieser Stelle noch zu technisch und entsprach nicht meiner Intention. Ich wollte für die Flüssigkeit einen Raum schaffen, der keine klare Grenze hat und dem Wesen des Wassers die Möglichkeit gibt, sich frei zu entfalten. Ich begann, Glasscheiben im Schmelzofen thermisch gezielt zu verformen. Mit Formen unterbaut, legten sie sich bei ca. 640 °C so nieder, wie ich es mir vorstellte. Der klare Raum wurde aufgelöst, rechte Winkel wurden zu harmonischen Radien, eine Kammer zum weichen Becken, ein Aquarium zum See. Wichtig war für mich auch die farbliche Wandel- und Anpassbarkeit an verschiedene Umgebungen. Das Befüllen und Entleeren sollte ohne großen Aufwand möglich sein.

 

Der finale Entwurf besteht aus einer verformten Grundplatte und einer Deckplatte als Tischfläche und aus zwei Stahlböcken als Untergestell. Die Auflagepunkte am oberen Ende der Stahlböcke sind Halbkugeln, auf denen die Grundplatte aufliegt und in Position gehalten wird. Die Halbkugeln ermöglichen ein Kippen der Grundplatte in Längsrichtung, um den Tisch über Rinnen an den stirnseitigen Enden zu entleeren. Die Deckplatte liegt auf denselben Halbkugeln auf, sodass eine ideale Kraftübertragung auf die Böcke stattfindet und zwischen den Scheiben eine kaum wahrnehmbare Fuge entsteht. Die Abnehmbarkeit der Deckplatte dient der Reinigung der Grundplatte und erlaubt bei einem Aufbau im Freien auch durch den Wind entstehende natürliche Wellen.

Entstanden in

mit Prof. Uwe Fischer, Prof. Uwe Fischer, AM Claudia Heinzler, AM Enno Lehmann, AM Tilmann Eberwein

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150 cm × 92 cm × 77 cm

‚memento mori‘ , BdK

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